Warum frieren wir heute kaum noch und schwächen damit unsere Schilddrüse?
Ferngesteuerte Sitzheizung, beheizte Skistiefel, Thermojacken, Taschenwärmer – fast jede Kältequelle wird heute sofort entschärft. Das ist bequem ja, aber: unser Körper ist evolutionär dafür gebaut, Kälte zu spüren. Und genau diese Kältereize haben wichtige gesundheitsrelevante Auswirkungen – für die Schilddrüse, für deinen Stoffwechsel, für deine Energie.
Wenn du diesen Artikel bis zum Ende liest, wartet dort etwas auf dich, das dir Klarheit darüber gibt, wie sinnvoll Eisbaden für dich aktuell ist.

Die Komfortlüge
Dieser Wärmekomfort ist relativ neu. Meine Großeltern bspw. kannten ihn nicht. Daunenjacken gab es nicht, Fußbodenheizung sowieso nicht- sie warteten auf warme Stuben – und temporäres Frieren war normal.
Kälte hatte damals noch seine physiologische Funktion.
Sie aktivierte den Stoffwechsel. Hielt das Herz-Kreislauf System in Schwung. Sie trainierte die Anpassungsfähigkeit. Sie hielt hormonelle Systeme beweglich.
Heute fehlt diese Anpassung fast vollständig. Unsere Schilddrüse rostet sozusagen ein.
Dauerwärme macht unsere Systeme träge und unsere Augen trocken.
Wir verlieren einen zentralen Hebel für Energie, Gesundheit und Resilienz. Wir verlieren einen wichtigen Hebel für Energie, Gesundheit und Wohlbefinden.
Warum Kälte kein Feind ist – sondern ein Reiz
Ein Kältereiz ist kein Schaden. Er ist ein
Signal.
Nicht umsonst berichten so viele Menschen von unglaublichen Effekten durch Eisbaden. Mehr Energie. Klarerer Kopf. Bessere Leistung.
Aber – und das ist entscheidend:
Ein Reiz ist nur dann gesund, wenn der Körper ihn verarbeiten kann. Deshalb ist weniger doch meistens mehr.
Ich werde am Ende des Artikels darauf zurückkommen.
Kältereize und ihre Wirkung auf die Schilddrüse
Thermorezeptoren, Hypothalamus und Hormonsteuerung
Ich kann nicht oft genug betonen, wie wichtig dieses kleine, schmetterlingsförmige Organ ist: die Schilddrüse.
Sie ist es, die dich „wärmt“, wenn es kalt wird. Denn deine Schilddrüsenhormone steuern Stoffwechsel, Energieumsatz und damit die Wärmeproduktion – sie sind zentral für die Thermoregulation, also die Anpassung an Kälte.¹
Häufiges Frieren ist deshalb häufig erstes Symptom einer ungünstigen Schilddrüsenfunktion.
Der Wirkmechanismus ist folgender:
Sinkt die Umgebungstemperatur, melden sogenannte Thermorezeptoren diesen Reiz an den Hypothalamus → Dieser wiederum aktiviert die Hypophyse, die Hirnanhangdrüse → Die Hypophyse fordert die Schilddrüse auf: Produziere mehr Hormone. (Wer meine anderen Artikel gelesen hat, weiß, dass hier TSH ins Spiel kommt) → Die Schilddrüsenhormone T3 und T4 erhöhen schließlich den Energieumsatz. Mehr Energieumsatz bedeutet mehr Wärme.
Aber – es gilt:
Das funktioniert
nur, wenn ausreichend Grundstoffe vorhanden sind.
Jod. Selen. Zink. Eiweiß und Eisen.
Fehlen sie, bleibt der Reiz ohne Wirkung weil die Prozesse nicht entsprechend ausgeführt werden können.
Kälte verbessert die zelluläre Wirkung von T3
Die Auswirkung der Kältereize zeigt sich aber nicht nur durch eine Steigerung der Schilddrüsenhormone, sondern auch deren Wirkung in den Zellen.
👉🏼 Studien zeigen:
Selbst wenn die T3-Werte im Blut gleich bleiben, scheint die
zelluläre Wirkung der Schilddrüsenhormone zu steigen.² D.h. die Hormone wirken effizienter
in den Zellen.
Das erklärt, warum sich einige Menschen besser fühlen, obwohl sich ihre Laborwerte kaum verändern.
Bei Frauen und Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen scheinen Kältereize auf die Schilddrüse stärker zu wirken. Es wurde ein stärkerer Anstieg TT4-, FT4- und FT3-Spiegel beobachtet.³
Weniger ist mehr – die richtige Dosierung entscheidet
Bitte nicht von null auf hundert Eisbaden gehen. Gerade der aktuelle Social Media Hype ums Eisbaden verschweigt häufig wichtige Aspekte.
Es ist wichtig zu verstehen, dass der Kältereiz wie ein Trainingsreiz funktioniert.
Er provoziert gezielt Stress, auf den Körper, der mit Anpassung reagiert – vorausgesetzt, die Intensität passt.
Wie beim Krafttraining gilt auch hier: Ist der Reiz angemessen, folgt Adaptation.
Ist er zu stark, bleibt die Anpassung aus –
der Körper wird nicht stärker, sondern geschwächt.
In Bezug auf die Schilddrüse geht es darum sie durch gezielte Kältereize zu
"entrosten".
Die Schilddrüse wird wieder gefordert, die hormonelle Steuerung verbessert, die Wärmeproduktion effizienter.
Mehr Wärme. Höherer Energie-Grundumsatz. Bessere Anpassungsfähigkeit.
⚠️ Zurückhaltung ist jedoch geboten bei:
- niedrigen Cortisolwerten
- einer geschwächten Nebenniere
- einer Schilddrüsenunterfunktion aufgrund von fehlenden Nährstoffen
In diesen Fällen ist eine massive Kälteexposition kontraproduktiv, denn sie bedeutet Stress, den dein System nicht kompensieren kann. Um auf das Beispiel von vorhin zurückzukommen: derselbe Effekt ist auch beim Training zu beobachten deshalb berichten viele Menschen bspw. mit geschwächter Nebenniere von fehlendem Fortschritt im Training oder sogar von einer deutlichen Verschlechterung der Beschwerden nach intensiver körperlicher Betätigung.
Wann gezieltes Frieren sinnvoll ist
Kälte ist ein Werkzeug. Kein Wettbewerb.
✅ Sinnvoll für die Schilddrüsengesundheit sind zu Beginn:
- regelmäßige Winterspaziergänge
- frische, kühle Luft
- vor allem kurze, gezielte Kältereize (kaltes Gesicht, Hände, Beine)
- Barfuß auf Schnee oder kalter Wiese spazieren (für wenige Minuten)
- Schrittweise steigern
❌ Nicht sinnvoll sind:
- dauerhaftes Frieren
- extreme Kälte ohne Anpassungzeit
- Kältereize bei Erschöpfung oder anderen Symptomen
Wenn du gerade dabei bist, deine Schilddrüse mit Nährstoffen aufzubauen, können milde Kältereize diesen Prozess unterstützen.
Nicht pushen. Anstoßen.
💡 Übrigens sind äußere und innere Kälte nicht zu verwechseln. Bei Schilddrüsenunterfunktion wird häufig zu warmen Getränken und Mahlzeiten geraten weil das Verdauungs'feuer' fehlt. In der Tat ist es so, dass bei einer Schilddrüsenunterfunktion dein gesamter Stoffwechsel verlangsamt ist weshalb es Sinn macht ihn mit warmen Getränken und Mahlzeiten zu unterstützen.
Der Wirkmechanismus ist dabei ein ganz anderer als der, des Kältereizes von außen.
Wichtiger Hinweis für Frauen 👩🏼
Achte auf deinen Zyklus.
In der zweiten Zyklushälfte ist dein Körper aufgrund des Anstiegs von Progesteron stressempfindlicher. Deshalb empfehlen sich hier auch beim Training weniger intensive Einheiten und auch Kältereize sollten sanfter dosiert werden. Vom Eisbaden würde ich persönlich in dieser Zyklusphase abraten es sei denn der Körper ist bereits über Jahre daran gewöhnt und dein Hormonsystem stabil.
Frauen sind zyklische Wesen, das ist keine Schwäche, sondern eine Superpower wenn wir die einzelnen Phasen gezielt nutzen.
Fazit
Zusammenfassend:
Wenn deine Schilddrüse optimal arbeitet (Achtung offizielle Referenzwerte ≠ optimale Schilddrüsenwerte) kannst du sie durch gezielte Kältereize nicht nur trainieren effizienter zu arbeiten, sondern auch von weiteren Vorteilen der ‚Kältetherapie‘ profitieren.
Befindest du dich gerade im Aufbau deiner Schilddrüse mit Nährstoffen, kannst du sie gezielt mit Kältereizen unterstützen, um die eingerostete Schilddrüse zusätzlich ein bisschen in Schwung zu bringen und die Hormonproduktion anzukurbeln.
Aber grundsätzlich gilt weniger ist mehr! Bitte nicht von null auf hundert Eisbaden gehen. Starte damit gezielt bei kalten Temperaturen spazieren zu gehen. Im nächsten Schritt kannst du barfuß im Schnee, der kalten Wiese spazieren.
🎁 Wenn du jetzt Klarheit möchtest:
Bevor du mit intensiven Kältereizen beginnst, verschaffe dir Klarheit.
Wenn dir folgende Anzeichen bekannt vorkommen:
- Müdigkeit schon am Morgen
- Leistungsfähigkeit nur mit zwei oder mehr Tassen Kaffee
- zwei bis drei hartnäckige Kilos, die sich nicht erklären lassen
oder wenn du unsicher bist, wie es um deine Schilddrüse steht, dann gilt:
🩸Ein Blutbild ist der erste sinnvolle Schritt.
Es muss nicht umfangreich sein, sollte aber alle relevanten Schilddrüsenwerte sowie die notwendigen Grundstoffe
enthalten.
📧 Wenn du unsicher bist, wie deine Werte einzuordnen sind,
schick sie mir gerne zu.
→ Ich schaue sie mir kostenfrei an und sage dir ehrlich, ob Eisbaden für dich aktuell sinnvoll ist.
Alles Liebe
Marlene
Magazin









